Einmal "Frozen Shoulder" und zurück, bitte!

Quelle: Michaela Buck

Ich habe mich entschlossen, an dieser Stelle meine persönliche Geschichte zu notieren. Vielleicht hilft sie jemand anderem. Und sie geht so:

 

Ich war schon immer sehr beweglich, vielleicht liebe ich deshalb Yoga schon seit Jahrzehnten. Namaste hinter dem Rücken ist eine Kleinigkeit, Dwikonasana ist meine Lieblingsübung. Ich habe sie immer mal eingeschoben, auch wenn keine Zeit oder keine Lust für eine ausgiebige Yogaeinheit war.

 

Die Veränderung beginnt unmerklich

Und dann plötzlich, schleichend, vor vielleicht sechs Monaten oder auch etwas länger, ging diese Übung nicht mehr so gut wie vorher. Die Arme kippten nicht mehr so elastisch in den Schultergelenken nach unten, wie ich das gewohnt war. Mein Umfeld schmunzelte - wer muss schon so beweglich sein? Und dann konnte ich irgendwann die Arme hinter dem Rücken zu Beginn der Übung nicht mehr fassen. Schließlich konnte ich den BH nicht mehr hinter dem Rücken mit beiden Händen schließen. Aber noch spürte ich sonst kaum etwas in der rechten Schulter, nur diese Bewegungseinschränkung. Außerdem einen Schmerz, wenn ich in den rechten Jackenärmel schlüpfen wollte, nachdem der linke schon in der Jacke war. Ja, dieser Schmerz... Je stärker sich die Beweglichkeit einschränkte, umso stärker wurde er in Bewegung.

"Das kann doch nicht so bleiben", dachte ich mir. Ich bin Schwierigkeiten gewöhnt, die Folgen mehrerer Hüftoperationen vor vielen Jahren liessen sich nur mit Schweiss und Tränen beheben. Also begann ich mit Dehnübungen - die Schmerzen wurden schlimmer, mit Kräftigungsübungen - die Schmerzen wurden schlimmer. Anfangs vergingen sie nach ein paar Minuten. Dann blieben sie für den restlichen Tag. Schließlich blieben sie über Nacht.

 

Es liess sich nicht mehr leugnen

Da akzeptierte ich, dass ich ein Problem hatte. Nichts von dem, was ich tat, half. Ganz im Gegenteil. Alles führte dazu, dass es schlimmer wurde. Ich konnte den Arm nicht mehr nach oben strecken, weniger als 90° zur Seite und überhaupt nicht mehr nach hinten. Ich konnte kaum mehr als Rechtshänderin mit der Maus am Computer arbeiten und übte mit links; auch konnte ich nur noch kurze Zeit am Stück an der Tastatur arbeiten. Ich konnte nicht mehr auf der schmerzenden Seite schlafen. Dann konnte ich auch nicht mehr auf der gesunden Seite schlafen. Irgendwann konnte ich nicht mehr auf dem Bauch schlafen, denn selbst der nach unten weggestreckte Arm tat zu sehr weh. Und dann kamen die Nächte, in denen ich auch auf dem Rücken vor Schmerzen nicht mehr durchschlafen konnte. Ich musste den Arm der schmerzenden Schulter polstern und auch das half nur sehr bedingt. Die Folge - ich war ein Nervenbündel, unausgeschlafen und mit Dauerschmerz.

 

Was ich alles versucht habe

Neben meinen Selbsthilfeversuchen war ich bei einer Liebscher & Bracht Therapeutin. Sie hat wirklich alles gegeben an Wissen und war sehr engagiert. Aber es wurde nur schlimmer. Ich war bei einem osteopatisch arbeitenden Orthopäden, der einen Magen-Darm-Infekt aus dem letzten Sommer mit ins Spiel gebracht hat. Seine osteopatische Arbeit hat mir gut getan, aber es wurde nicht besser. Ich habe die Bücher von Louise Hay und Rüdiger Dahlke konsultiert und kleinere emotionale Baustellen aufgeräumt. Aber es wurde nicht besser. Natürlich habe ich Dr. Suchmaschine befragt. Ich stellte mehrere Hypothesen auf, aber keine lies sich halten. Irgendein Symptom passte immer nicht ins Bild. Ich nahm frei verfügbare Schmerzmittel, die nicht halfen. Ich lies mir eine Cortisonspritze in die Schulter geben, die wenigstens die Schmerzspitze für kurze Zeit nahm. Ich nahm Mizellen-Curcuma, Magnesium, Vitamin D3 mit Vitamin K2, Vitamin B-Komplex. Es wurde nur immer noch schlimmer.

 

Mein Mann fand eine mögliche Diagnose

Natürlich ging mein Schmerz auch an meinem Mann nicht vorbei. Er hat Dr. Suchmaschine bemüht, was das Zeug hielt. Und irgendwann kam er auf eine weitere Hypothese: Frozen Shoulder. Das hatte ich noch nie gehört, auch wenn ca. 2 - 5% der Gesamtbevölkerung davon betroffen sein sollen. Die Symptome passten genau. Aber die möglichen Ursachen kamen für mich nicht in Frage:

  1. eine Verletzung oder Operation der Schulter: nein
  2. Stoffwechselveränderungen wie Diabetes, metabolisches Syndrom: nein
  3. neurologische Ursachen: nein

Was blieb waren diffuse Aussagen wie: es sei eine Stoffwechselstörung im Gewebe der Schulter. Alternativ: man wisse immer noch nicht, woher es käme. Aber Frauen um die 50 wären genau die Zielgruppe. Die Chinesen sprechen sogar von der "50-Jahres- Schulter". Aha. Was für ein Geschenk zum 50. Geburtstag.

 

Wie es mit dieser möglichen Eigendiagnose weiterging

Nachdem nun die Hypothese stand, beschäftigte ich mich mit dem Konsequenzen dieser Erkenntnis. Und das war niederschmetternd. Ich lernte, dass dieses Problem aus drei Phasen besteht: dem Einfrieren, dem Eingeforensein und dem Auftauen. Das ganze könne sich durchaus über zwei Jahre hinziehen. Und das Internet war in Text und Video voll mit Übungen, die helfen sollten. Jeder Versuch, eine solche Übung zu machen, führte zu noch mehr Schmerzen und dem Gefühl, das irgendetwas falsch sei. Mit mir, mit der Übung oder dem, der sie online anpries. Was mir erst langsam klar wurde, war: solange man sich in der Phase des Einfrierens befindet, funktionieren nur Ruhe und Schonung für die Schulter. Zu glauben, dass hier eine Übung sinnvoll sei, ist eine Illusion. Leider habe ich das in keiner Quelle so klar gefunden. Überall wurde mir suggeriert, dass mit den Übungen schon wieder alles gut werden würde.

 

Die Wendung, die alles anders werden lies

Und dann passierte etwas, was die Veränderung einleitete und zwar innerhalb von Sekunden. Eins der letzten Videos, die ich zu dem Thema noch nicht gesehen hatte, war "Frozen Shoulder - "The True Cause" Dallas, Texas Recovery". Dort ging es um den XI. Hirnnerv, der beim Austritt aus dem Schädel durch falsche Haltung (z.B. durch den Geierhals beim Blick nach schräg unten auf ein Smartphone) gequetscht werde. Da ich mich gerade beruflich ausgiebig mit dem X. Hirnnerv beschäftigt hatte, war mir das Thema nicht fremd. Ich bat meinen Mann, mir im Liegen sehr behutsam den Kopf lang zu ziehen. Außerdem massierte er meine Axis, den zweiten Wirbel, verschob sie sanft nach rechts und links. Und das Unglaubliche geschah: ich spürte ein Kribbeln in der Schulter, es wurde dort wärmer. Im Stehen unmittelbar danach war die Beweglichkeit bereits deutlich besser als noch 5 min vorher. Es war faszinierend. Damit war für mich der Schlüssel gefunden.

 

Der Weg zurück zur Beweglichkeit

Diese für mich kaum zu glaubende Entdeckung war zwar der Wendepunkt, aber nicht die sofortige Heilung. Sie hat den Auftauprozess eingeleitet. Das ist jetzt ca. 6 Wochen her. Seitdem (und nicht vorher!) machen die ganzen Übungen bei Frozen Shoulder Sinn. Sie schmerzen zwar aufgrund der Dehnung, der Schmerz hört aber danach unmittelbar auf. Ich habe mich auch durch Akupunktur unterstützen lassen. Es geht immer ein kleines Stückchen besser. Ich konnte wieder Gegenstände oberhalb des Kopfes erreichen, wieder auf der Seite schlafen. Aktuell kann ich sogar (allerdings nur wenige Minuten) auf dem Bauch mit dem Arm über dem Kopf liegen. Nur den BH bekomme ich noch nicht wieder auf und zu und die Lieblings-Yogaübung geht auch noch nicht vollständig wieder. Aber ich weiß, dass es funktionieren wird. Ich brauche nur noch ein bisschen Geduld. Aber die Aussicht auf zwei Jahre war ich nie bereit zu akzeptieren. Und es hat sich gelohnt, so hartnäckig zu sein.

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