Methoden-Übersicht
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EMDR
EMDR ist eine Methode, die während der 1990er Jahre entwickelt wurde.
Beim klassischen EMDR werden Traumata gelöst, indem die Patienten eine besonders belastende Phase ihres traumatischen Erlebnisses gedanklich einfrieren und dann durch den Therapeuten zu einer rhythmischen Augenbewegung angehalten werden. Dadurch reduziert sich die Angst deutlich, die diese Erinnerungen hervorrufen.
Neuere Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die bilaterale Stimulation, die jeder EMDR-Handlung zugrunde liegt, sehr effektiv auch zur Ressourcenaktivierung verwendet werden kann. Bei der bilateralen Stimulation werden Impulse durch Tapping (kurzes Auftippen mit den Fingern) über das periphere zum zentralen Nervensystem und von dort zu beiden Gehirnhälften geleitet. Dadurch entstehen neue neuronale Netzwerke. Informationen fließen und positive Gefühle werden stärker empfunden.
Ziel einer Ressourcenaktivierung ist es, bei anstehenden Problemen positive Erlebnisse im eigenen Leben zu finden, die bei der Bewältigung helfen können. Ressourcen können entstehen durch aktive Bewältigung von Krisen und Problemen oder durch liebevolle, hilfreiche Beziehungen. Kern einer Ressource ist ein Körpergefühl mit einer wohltuenden Emotion wie Freude, Akzeptanz, Kraft, Lebendigkeit, Kompetenz etc.
Sobald diese Ressourcen gefunden sind, werden sie mithilfe der bilateralen Stimulation verstärkt, intensiviert und im Unterbewusstsein verankert.
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Brainspotting
"Where you look affects how you feel" - Wohin Sie schauen beeinflußt, wie Sie sich fühlen
Dieser einfach klingende Satz steckt hinter dem Konzept von Brainspotting.
Die Methode, vom erfahrenen Therapeuten und Ausbilder David Grand vor wenigen Jahren direkt aus aus der Anwendung von EMDR heraus entwickelt, ist gewissermaßen die Essenz dieser erfolgreichen traumatherapeutischen Anwendung.
Brainspotting fokussiert vor allem auf körperbezogene Phänomene von starken emotionalen Belastungen. Über korrespondierende Augenpositionen (die sogenannten "Brainspots") wird eine Aktivierung der der Hirnregionen erreicht, in denen die Belastung gespeichert ist.
Ein weiterer wesentlicher Bestandteil ist die Haltung der Therapeuten gegenüber den ablaufenden inneren Prozessen in den Klienten. Die Therapeuten begleitet sie mit einer achtsamen, dem Prozess folgenden und auf keinen Fall steuernden Haltung. Sie zeigen einfühlsame Präsenz, ohne die Richtung vorzugeben. Wesentlich für das Konzept von Brainspotting ist das tiefe Vertrauen in die Selbstheilungskräfte der Klienten.
Neurophysiologisch wirkt Brainspotting im Mittelhirn - also dort, wo Stress und Trauma emotional und körperlich abgespeichert werden. Es bewirkt die Verarbeitung in tief liegenden Hirnstrukturen.
Hierzu ist 2013 ein Fachartikel erschienen. "Brainspotting: Recruiting the midbrain for accessing and healing sensorimotor memories of traumatic activation", verfasst von Frank Corrigan und David Grand. Er ist unter diesem externen Link verfügbar. Weiterhin finden Sie eine ausführliche Beschreibung zu Brainspotting in Deutsch bei Brainspotting Austria unter http://brainspottingaustria.com/brainspotting
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Deep Brain Reorienting (DBR)
Deep Brain Reorienting, in deutsch in etwa "Tiefe Gehirn-Reorientierung" bezeichnet einen neuen Ansatz in der Behandlung von Trauma und traumatischer Dissoziation. Diese Methode wurde erst im März 2020 von Dr. Frank Corrigan, einem schottischen Neuropsychiater, gemeinsam mit seiner Kollegin Jessica Christie-Sands beim Journal "Medical Hypotheses" veröffentlicht. (Link zum Abstract hier: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0306987719309673). Ich hatte die Gelegenheit, an einem Training unter Supervision von Dr. Corrigan teilzunehmen.
DBR zielt darauf ab, Zugriff auf den Kern der traumatischen Erfahrung zu bekommen. Diese läuft im Hirnstamm ab, dem Teil des Gehirns, der im Moment von Gefahr oder Bindungsabbrüchen von Bezugspersonen aktiv wird. Durch behutsames Fokussieren auf Spannungszustände in Gesicht, Kopf und Hals und dem Wahrnehmen von verbundenen Emotionen wird der Hirnstamm in die Lage versetzt, abgespeicherte traumatische Erinnerungen zu verarbeiten und damit loszulassen.
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Comprehensive Resource Model® (CRM)
Das Comprehensive Resource Model® (CRM), in deutsch ungefähr: umfassendes oder auch übergreifendes Ressourcen-Modell, ist eine Traumatherapiemethode. Sie verbindet wissenschaftlich validierte therapeutische Prinzipien mit Elementen, die schon von jeher kulturübergreifend zur Heilung verwendet wurden.
Beim CRM werden dazu Erkenntnisse über die Funktion und die Bereiche im Gehirn mit deren Stimulation von außen genutzt. Das können visuelle Reize sein wie Augenpositionen, Symbole, Farben, Geometrien; aber auch akustische Reize wie Töne, Klänge sowie bilaterale Musik werden zur Stimulation eingesetzt.
Mit Verstand & Gedanken, den Emotionen und dem Körper (Atemübung, Körperbewusstsein schaffen) des Klienten ergibt das richtige Zusammenspiel die individuelle Lösung. Die bekannten und immer wieder genutzten Hindernisse, die der Körper und der Geist bzgl. des Traumas bereits oft genug aufgebaut haben, werden zusammen mit dem Therapeuten umschifft. Mit geschickten Fragen und immer auf Ressourcen ausgerichtetes Sprechen begleitet der Therapeut den Klienten. Der Klient ist dabei stets vollkommen wach und immer im Hier und Jetzt.
Das Modell ist erst wenige Jahre alt und wurde von Lisa Schwarz, einer Psychologin aus den USA, entwickelt. Es basiert auf Annahmen des Traumamodells von Colin Ross. Dr. Frank Corrigan, Psychiater aus Glasgow (Schottland), lieferte die neurowissenschaftliche Hypothese zur Wirksamkeit des Modells.
Das ursprüngliche Anwendungsgebiet von CRM liegt bei komplexer Traumatisierung, dissoziativen Störung sowie bei Bindungstraumatisierungen. Es wird aber auch bei Monotraumatisierung sowie bei unspezifischen somatischen Symptomen, bei denen ein Traumahintergrund vermutet wird, erfolgreich eingesetzt.
Heilung von Traumaerfahrungen lässt sich nur erreichen, wenn es genügend Sicherheit im emotionalen und körperlichen Erleben gibt. Menschen, die traumatischen Stress oder Überlebensterror erlebt haben, spüren diese Sicherheit allerdings oft nicht. Wenn der Weg aus dem Trauma gefunden wurde ist es zudem wichtig den Klienten nicht einfach zu entlassen. Es gilt Fragen wie die folgenden zu beantworten: Was bin ich ohne mein Trauma? Welche neue Bedeutung benötigt mein Leben? Muss ich Kontrolle abgeben? Kann ich ohne den Therapeuten sein?
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Weitere Methoden
Neben den hier genannten Methoden beziehe ich – je nach Fragestellung und Kontext – weitere methodische Ansätze in meine Arbeit ein. Diese stehen nicht für sich und werden nicht als eigenes Vorgehen eingesetzt, sondern ergänzen den jeweiligen Prozess dort, wo sie fachlich sinnvoll sind.
Dazu können unter anderem lösungsfokussierte Ansätze oder Elemente der Transaktionsanalyse gehören. Welche Methoden einbezogen werden, ergibt sich aus dem Anliegen, der Situation und dem, was im jeweiligen Moment tatsächlich trägt.
Nicht jede Methode wird explizit benannt oder sichtbar gemacht. Manche fließen im Hintergrund ein, andere werden bewusst nicht eingesetzt.
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Nurosym
Nurosym ist ein Gerät zur nicht-invasiven Stimulation des Vagusnervs. Es arbeitet mit schwachen elektrischen Impulsen, die über die Haut appliziert werden und auf die Regulation des autonomen Nervensystems abzielen.
Der Einsatz von Nurosym erfolgt nicht standardisiert. Ob und wie das Gerät sinnvoll eingesetzt wird, hängt von der individuellen Belastungs- und Regulationslage ab. Im Vordergrund steht nicht Aktivierung oder Leistungssteigerung, sondern die Frage, ob eine regulierende Unterstützung aktuell passend ist.
Nurosym kann eigenständig genutzt oder begleitend im Rahmen einer gemeinsamen Arbeit eingeordnet werden. In manchen Fällen kann das Gerät zeitlich begrenzt ausgeliehen werden, um die Anwendung im Alltag zu erproben und eine fundierte Entscheidung über eine mögliche Anschaffung zu treffen.
Der Einsatz ersetzt weder Coaching noch Psychotherapie. Er kann ergänzend genutzt werden, wenn eine technische Form der Regulationsunterstützung sinnvoll erscheint oder andere Zugänge (noch) nicht passen.
Technische Einordnung
Nurosym arbeitet mit transkutaner elektrischer Nervenstimulation (tVNS). Dabei werden schwache elektrische Impulse über eine Elektrode am Ohr appliziert, wo ein peripherer Ast des Vagusnervs oberflächennah verläuft.
Die Anwendung ist nicht invasiv und erfolgt ohne Implantat oder Eingriff. Intensität und Dauer werden individuell eingestellt; die Wahrnehmung wird meist als leichtes Kribbeln beschrieben.
Nurosym ist kein Diagnostik- oder Biofeedbackgerät. Es misst keine Parameter, sondern wirkt ausschließlich über die gezielte Stimulation, deren Einsatz im Zusammenhang mit der jeweiligen Regulationslage eingeordnet wird.
